Reckliskop - David Rauer

Grünanlage am Europaplatz 1, 45657 Recklinghausen

David Rauer baut im Recklinghausen Arkadien ein Panoptikum zur Überwachung des öffentlichen Raums, welches dem Besucher mit archaischen Hörmuschel- und Spiegelmaschinen die Beobachtung der unmittelbaren Umgebung ermöglicht, allerdings ohne dabei selbst anonym zu bleiben.  Die gleichzeitige Präsenz der eigenen Person als Teil des Apparates definiert das Rollenverhältnis zwischen dem ‚Observateur‘ und dem ‚Überwachungsobjekt‘ neu.

In der Nähe des stark frequentierten Europaplatzes, vor dem Hauptbahnhof befindet sich ein kleiner Park mit einem kleinen, freistehenden Gebäude. Dieser Leerstand erfüllte einst Funktionen einer Imbissbude oder einer Wartehalle, heute steht der Keller unter Wasser und die Rückseite des Gebäudes bietet Versteck für die geheimen Geschäfte in der Stadt. Ammoniakgeschwängerte Luft durchströmt die Büsche der kleinen Parkanlage. Trotz behördlicher Interventionen zur Regelung dieser Geschäfte kämpft der Ort mit dem Image einer Schmuddelecke. 

Der aus 200 m2 Holz, Plexiglas und optisch-analoger Technik verfertigte Beobachtungsapparat ermöglicht den Bürgern der Stadt zwei Monate lang unter keramischen ‚Guckstutzen‘ oder ‚Schauglocken‘ zu verschwinden und sich vermeintlich unbeobachtet dem Gegenbild der Arkadischen Utopie hinzugeben. Poppig-bunte Farben, die verspielt-saloppe Herstellung der gebäudeumgreifenden Skulptur und humorvolle Applikationen wie aufgeklebte Augen oder dysfunktionale Linsen entlarven die Lächerlichkeit allgegenwärtiger Überwachungstendenzen des urbanen Raumes.


20. Juli 2014

Reckliskop

ab 14 Uhr Grünanlage am Europaplatz 1, 45657 Recklinghausen



David Rauer ist 1986 geboren und lebt in Osnabrück. Der Künstler baut ortsbezogene Installationen und erarbeitet Skulpturen und Objekte. Einer Ausbildung in keramischem Handwerk folgt 2009 ein zweijähriges Studium an der Kunsthochschule AKI/ArtEZ, Enschede (NL) mit Ausrichtung auf dreidimensionale Arbeiten/Installationen. Seit 2012 führt er das Studium an der Kunstakademie Münster in der Klasse von Ayşe Erkmen fort. Im Rahmen des Förderpreises Junge Postionen NRW der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 wird eine erste größere Einzelausstellung ermöglicht. Daraufhin entstehen 2014 Projekte für das Archipel in√est und für das Theaterfestival Favoriten in Dortmund. Auswahl weiterer Ausstellungen: Diamonds and Pearls, Galerie Evelyn Drewes, Hamburg (2014), Doppeltgemoppelt im Kunstverein Gelsenkirchen (2014) – jeweils mit der Klasse Ayşe Erkmen, 24/7 (24 Stunden Installation mit Joschua Sassmannshausen), Kunsthalle Osnabrück, Jong geweld uit Enschede Verbeke Foundation, Antwerpen/Belgien (2013), Unser Fritz 2/3 Förderpreis der Künstlerzeche, Soloausstellung, Herne (2013), VOLLGUTEKUNSTAUSSTELLUNG, Galerie 21 und Galerie Hinterconti, Hamburg (2013), Just A Sucker, Solo, B93 Kunstenaarsinitiativ Enschede (2011), Station Petersburg (mit Joschua Sassmannshausen), Alter Güterbahnhof Osnabrück (2011).