in Rahmen der

Die Lahore Residency 2008 wird organisiert von den Künstlerkollektiv Vasl Arts in Zusammenarbeit mit dem Anne Marie Schimmel House (Goethe Institut Lahore).

Für die Dauer von 2 Wochen teilen sich Künstlerinnen und Künstler aus Pakistan, Indien, Iran, China, Schottland, Nepal und Deutschland gemeinsam ein Haus und arbeiteten an ortspezifischen Projekte in der Stadt Lahore.

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Vasl Residency Lahore 2008

Matthias Einhoff and Markus Lohmann - White cube

Sky Limit Projekt, November 2008

In der Arbeit ‘White Cube’ bearbeiten die Künstler einen Stereotypen ihrer eigenen Kultur - den “White Cube” - und generieren diesen mit den Mitteln eines anderen Stereotypen: der Produktpiraterie. In die leerstehende oberste Etage eines mehrstöckigen Verkaufsgebäudes der geschäftigen Altstadt von Lahore stellen die Künstler einen Teil der als Bauruine zurück-gebliebenen Etage fertig und installieren dort ein Klischeebild einer west- europäischen Galerie zur Milleniumswende: grauer Fußboden, weiße Wände, ein Schreibtisch aus Sichtbeton, darauf ein weißes Apple-Notebook. Im Hintergrund dudelt der Loungemusik-Klassiker “La Femme D’Argent” von Air, dazu trinkt man Becks Bier aus der Flasche.

All diese Artefakte sind mit der handwerklichen Kunst der Duplikation unter Nutzung der zur Verfügung stehenden Materialien von lokalen Handwerkern in der Altstadt hergestellt worden: Bierflaschen aus Gießharz mit handgemalten Produktlabeln, der Sichtbeton auf Folie gedruckt, das Notebook aus weißem Marmor gemeißelt.

Zwei Musiker aus Lahore geben mit Tabla und Trommeln ihre Interpretation des Air- Stücks zum Besten. Die perfekte Imitation der westlichen Warenwelt durch pakistanische Handarbeit wird im inszenierten Galerieraum zum Zerrbild des antiken Kunstverständnisses der vollkommenen Mimesis als höchste Stufe aller künstlerischen Produktion.

Die Künstler nehmen diese Einladung zu einem Kunst im öffentlichen Raum-Projekt zum Anlass, eine Ausstellungspraxis ihrer eigenen Kultur zur Diskussion zu stellen und mit der Musealisierung derselben, den Blick im methaporischen wie auch wörtlichen Sinne freizugeben, für einen vom westlich-bürgerlichen Ausstellungsparadigma befreiten Kunstbegriff.